Gläubiger – Bedeutung und Rechte im Insolvenzverfahren

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Im Überblick: Gläubiger

  1. Als Gläubiger gilt die Person oder Institution, der der Schuldner gegenüber zahlungspflichtig ist.
  2. Private Schuldner können versuchen, sich außerhalb eines gerichtlichen Verfahrens mit ihren Gläubigern zu einigen, bevor sie die Insolvenz anmelden.
  3. Bei einer Insolvenz gilt für Gläubiger eine bestimmte Reihenfolge, wer von ihnen als Erstes befriedigt wird.

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Was sind Gläubiger?
Was sind Gläubiger?

Was ist ein Gläubiger? Eine Definition

Wer sich mit dem Thema Schulden auseinandersetzt, wird schnell mit immer wiederkehrenden Begriffen konfrontiert. Einige davon sind selbst erklärend oder ihre Bedeutung lässt sich zumindest sehr leicht herleiten, z. B. bei dem Wort „Schuldner“. Der Begriff „Gläubiger“ hingegen, der in diesem Zusammenhang mindestens ebenso häufig auftaucht, ist da schon schwerer zu interpretieren.

Eine direkte Definition des Wortes „Gläubiger“ findet sich im Gesetz nicht. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) legt jedoch in § 241 Abs. 1 fest, dass Gläubiger in einem Schuldverhältnis dazu berechtigt sind, eine bestimmte Leistung vom Schuldner zu fordern.

Einem Gläubiger Geld zu schulden, wird erst zum Problem, wenn Sie dieses nicht zurückzahlen können.
Einem Gläubiger Geld zu schulden, wird erst zum Problem, wenn Sie dieses nicht zurückzahlen können.

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn Sie sich von einer Person oder einer Institution Geld leihen, gehen Sie mit dieser ein Schuldverhältnis ein und sie wird zu Ihrem Gläubiger. Dabei kann es sich sowohl um Ihren Kollegen handeln, der Ihnen einen Tag zuvor das Geld fürs Mittagessen ausgelegt hat, als auch die Gläubigerbank, die Ihnen ein Darlehen für den Bau Ihres Eigenheims gewährt.

Der etymologische Ursprung des Wortes „Gläubiger“ ist eine Lehnübersetzung das italienischen „creditore“, welches sich wiederum vom Verb „credere“, was „glauben“ bedeutet, ableitet. Ein Gläubiger ist somit eine Person, die glaubt, dass der Schuldner seiner Verpflichtung nachkommen und die geschuldete Leistung erbringen wird.

Wer ist der Gläubiger? Wer ist Schuldner? Tatsächlich ist es nicht immer eindeutig, wem genau ein Schuldner gegenüber zahlungsverpflichtet ist – nämlich dann, wenn sein eigentlicher Gläubiger selbst verschuldet ist. Müssen Sie in diesem Fall die Schulden an dessen Gläubiger zahlen? Dies hängt in der Regel vom jeweiligen Einzelfall ab. In einer solchen Situation ist es deshalb ratsam, die Rechtslage von einem Anwalt prüfen zu lassen.

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Der Gläubiger im Insolvenzverfahren

Schulden per se stellen in der Regel kein Problem war. Schwierig wird es allerdings, wenn Sie diese nicht an Ihre Gläubiger innerhalb der vereinbarten Frist zurückzahlen können. Sind Sie überschuldet, zahlungsunfähig oder von Zahlungsunfähigkeit bedroht und können deshalb Ihre Zahlungsverpflichtung zum Zeitpunkt Ihrer Fälligkeit nicht erfüllen, ist dies ein berechtigter Grund, Insolvenz anzumelden.

Das Insolvenzverfahren hat zum Ziel, die Vermögenswerte des Schuldners so aufzuteilen, dass alle Gläubiger gleichmäßig befriedigt werden und sich ihre Verluste möglichst gerecht verteilen. Zudem haben Sie als Schuldner nach dem Ende des Verfahrens die Aussicht auf Restschuldbefreiung, sofern Sie sich an bestimmte Auflagen halten. Damit wären Ihnen die noch ausstehenden Schulden erlassen.

Schuldner und Gläubiger können sich bei einer Privatinsolvenz auch außergerichtlich einigen.
Schuldner und Gläubiger können sich bei einer Privatinsolvenz auch außergerichtlich einigen.

Im Falle einer Privatinsolvenz müssen die Gläubiger nicht zwangsweise durch ein gerichtliches Verfahren befriedigt werden. Tatsächlich sind Sie als insolvente Privatperson sogar verpflichtet, zunächst einen außergerichtlichen Einigungsversuch anzuregen. Dazu erstellen Sie einen Plan, wie Sie Ihre Schulden bei den Gläubigern bereinigen wollen. Es ist ratsam, sich dafür Hilfe bei einer professionellen Schuldnerberatung zu holen.

Stimmen Ihre Gläubiger dem Plan zu, entfällt das Insolvenzverfahren. Sie sind nun mehr verpflichtet, den Schuldenbereinigungsplan zu befolgen. Verstoßen Sie dagegen, müssen Sie mit Sanktionen rechnen.

Ist jedoch nur ein Gläubiger nicht mit dem Plan einverstanden, gilt der Insolvenzvergleich als gescheitert. Um den Insolvenzantrag stellen zu können, benötigen Sie nun eine Bescheinigung über dieses Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuchs. Eine solche kann z. B. von einem Schuldenberater, einem Notar oder einem Insolvenzanwalt ausgestellt werden.

Handelt es sich nicht um eine Privat-, sondern eine Unternehmensinsolvenz, entfällt der außergerichtliche Insolvenzvergleich mit den Gläubigern. Das Unternehmen ist verpflichtet, die Insolvenz direkt anzumelden.

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Die Gläubigergruppen im Insolvenzverfahren

Im Insolvenzverfahren gilt für Gläubiger bei der Auszahlung der Insolvenzmasse eine bestimmte Rangfolge.
Im Insolvenzverfahren gilt für Gläubiger bei der Auszahlung der Insolvenzmasse eine bestimmte Rangfolge.

Im Insolvenzverfahren sind die Gläubiger in bestimmter Reihenfolge zu befriedigen und genießen unterschiedliche Privilegien – je nachdem, welcher Gläubigergruppe sie angehören. Zwar dient eine Insolvenz grundsätzlich dem Zweck, die Verluste der einzelnen Gläubiger nach Möglichkeit gleichmäßig auf diese zu verteilen, tatsächlich gilt dies jedoch nur innerhalb der jeweiligen Gläubigergruppe.

Die Rangfolge, welche Gläubigergruppe bei der Befriedigung bevorzugt wird, lautet wie folgt:

  1. Aussonderungsberechtigte Gläubiger: Diese Gläubiger können geltend machen, dass ein bestimmter Gegenstand nicht zur Involvenzmasse gehört und vom Insolvenzverwalter freigegeben werden muss. Dies ist vor allem dann der Fall bei Sachen, die sich zwar im Besitz des Schuldners befinden, aber nicht dessen Eigentum sind, weil er sie z. B. geliehen, gemietet oder geleast hat. Der tatsächliche Eigentümer ist hier der aussonderungsberechtigte Gläubiger.
  2. Absonderungsberechtigte Gläubiger: Ein solcher Gläubiger kann seine Ansprüche auf die Befriedigung aus der Insolvenzmasse noch vor dem eigentlichen Insolvenzverfahren geltend machen, weil er ein besonderes Sicherungsrecht besitzt. Dies kann ein Grundpfandrecht wie z. B. eine Hypothek sein oder auch die Übereignung eines bestimmten Gegenstands zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle.
  3. Massegläubiger: Bei diesen Gläubigern handelt es sich um alle Gläubiger, deren Forderungen erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstehen – also Personen, bei denen der Schuldner neue Schulden macht, obwohl er bereits insolvent gemeldet ist. Auch Verbindlichkeiten, die überhaupt erst durch das laufende Insolvenzverfahren entstanden sind, gehören dazu, wie z. B. Zahlungsansprüche aus Verträgen, die der Insolvenzverwalter abgeschlossen hat.
  4. Insolvenzgläubiger: Dies sind die Gläubiger, deren Ansprüche gegen den Schuldner bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bestand.

Gläubigerschutz: Diese Rechte haben Gläubiger im Insolvenzverfahren

Das Gesetz legt diverse Regelungen fest, um die Risiken für Gläubiger zu verringern.
Das Gesetz legt diverse Regelungen fest, um die Risiken für Gläubiger zu verringern.

Sowohl bei der Unternehmens- als auch der Privatinsolvenz genießen die Gläubiger bestimmte Rechte. Dazu gehört z. B. die Möglichkeit, dass auch sie die Privatinsolvenz des Schuldners anmelden können, nicht nur der Schuldner selbst. Auch steht Gläubigern unter bestimmten Voraussetzungen das Recht zu, Auskünfte und Berichte vom Insolvenzverwalter einzufordern. Zudem kann der Treuhänder viele Rechtshandlungen nicht durchführen, ohne dass die Gläubigerversammlung diesen zustimmt.

Des Weiteren legt der sog. Gläubigerschutz bestimmte präventive Regelungen fest. Diese sollen den Gläubiger vor möglichen Zahlungsausfällen schützen und vor allem seine Risiken mindern. Das Recht auf Absicherung durch Kreditsicherheiten gehört z. B. dazu. Auch haben Gläubiger bei einer Gesamtschuldnerhaftung die Möglichkeit, ihre Forderungen bei jedem Schuldner der Schuldnergemeinschaft geltend zu machen und nicht nur bei jenem, der seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachgekommen ist.

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2 thoughts on “Gläubiger – Bedeutung und Rechte im Insolvenzverfahren

  1. Mike W. Reply

    Servus, ich habe eine Pfändung von 10.000€, habe aber Rücklagen in Höhe von 30.000€. Der Gläubiger ist eine Rechtsanwaltskanzlei, die Gehalts-/Kontopfändung durchführt und ihre Hand auf meine Rücklagen hat, aber nicht pfändet. Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich?

    • schuldnerberatung.org Reply

      Hallo Mike,

      benötigen Sie rechtliche Beratung, wenden Sie sich am besten an einen Anwalt, der auf Schulden spezialisiert ist. Dieser kann den Fall mit seinen Einzelheiten prüfen.

      Ihr Team von schuldnerberatung.org

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