Privatinsolvenz: Ablauf des Insolvenzverfahrens für Verbraucher

Von schuldnerberatung.org, letzte Aktualisierung am: 17. September 2020

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Im Überblick: Ablauf beim Privat­insolvenz­verfahren

Was passiert bei einer Privatinsolvenz?

Das Vermögen und die Einkünfte des Schuldners werden gleichmäßig auf die Gläubiger verteilt, um diese zu befriedigen. Nach erfolgreichem Insolvenzverfahren werden dem Schuldner die restlichen Schulden erlassen.

Wie läuft eine Privatinsolvenz ab?

Die Privatinsolvenz folgt einem festen Ablauf: außergerichtlicher Einigungsversuch, Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, gerichtlicher Einigungsversuch, Insolvenzverfahren, Wohlverhaltensphase und Restschuldbefreiung.

Wie lange läuft eine Privatinsolvenz?

Die Wohlverhaltensphase dauert in der Regel sechs Jahre, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen auf fünf oder drei Jahre verkürzt werden.

Voraussichtliche Gesetzesänderung – Restschuldbefreiung schon drei Jahren! Schuldner, die ab dem 1.10.2020 die Verbraucherinsolvenz (Privatinsolvenz) beantragen, absolvieren wahrscheinlich nur noch ein dreijähriges Restschuldbefreiungsverfahren, ohne dass hierfür Schulden oder Verfahrenskosten in bestimmter Höhe beglichen werden müssen. In unserem Ratgeber zur Restschuldbefreiung stellen wir die geplanten Neuerungen genauer vor. Das Gesetzgebungsverfahren läuft derzeit noch (Stand: Sept. 2020).

Wie läuft ein privates Insolvenzverfahren ab?

Wie funktioniert die Privatinsolvenz?
Wie funktioniert die Privatinsolvenz?


Wer zahlungsunfähig oder von Zahlungsunfähigkeit bedroht ist, hat oftmals keine andere Möglichkeit, als Privatinsolvenz anzumelden. Ist das Verfahren erfolgreich, erhält der Schuldner die Restschuldbefreiung und kann einen schuldenfreien Neubeginn starten. Aber wie genau funktioniert eine Privatinsolvenz eigentlich? Was passiert in den einzelnen Phasen und wie lange dauert das ganze Verfahren? Diese Fragen wollen wir im Folgenden beantworten und erklären, wie bei einer Privatinsolvenz der Ablauf erfolgt.

Schritt 1: Der außergerichtliche Einigungsversuch

Der Ablauf einer Privatinsolvenz unterscheidet sich in einigen Punkten von dem einer Unternehmensinsolvenz (Regelinsolvenz). Dies betrifft z. B. auch die Phase vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Privates Insolvenzverfahren: Den gesamten Ablauf können Sie der Infografik entnehmen (zum Vergrößern bitte anklicken).
Privates Insolvenzverfahren: Den gesamten Ablauf können Sie der Infografik entnehmen (zum Vergrößern bitte anklicken).

Private Schuldner sind nämlich gemäß § 305 der Insolvenzordnung (InsO) dazu verpflichtet, zunächst einen Versuch zu unternehmen, sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen. Dabei muss den Gläubigern ein Schuldenbereinigungsplan vorgelegt werden, dem alle zustimmen müssen. Stimmt auch nur ein einziger Gläubiger gegen den Plan, ist die außergerichtliche Schuldenbereinigung gescheitert.

In diesem Fall muss eine dafür qualifizierte Instanz, wie z. B. ein Schuldenberater oder ein Insolvenzanwalt, einen Nachweis darüber ausstellen, dass der Schuldner einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern unternommen hat und dieser erfolglos blieb.

Mit diesem Nachweis stellt der Schuldner den Antrag auf Eröffnung der Privatinsolvenz. Der weitere Ablauf folgt dann einem festen Schema.

Ist der Einigungsversuch hingegen erfolgreich, wird kein gerichtliches Verfahren in der Privatinsolvenz eröffnet. Der Schuldner ist in diesem Fall verpflichtet, den Schuldenbereinigungsplan umzusetzen, bis die Gläubiger gemäß der Vereinbarung befriedigt wurden. Danach gilt er als schuldenfrei.

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Schritt 2: Beantragung der Privatinsolvenzeröffnung

Als nächstes muss beim Insolvenzgericht ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden. In der Regel handelt es sich hierbei um das Amtsgericht, das für den Wohnort des Schuldners zuständig ist. Viele Amtsgerichte stellen auf ihren Internetportalen das entsprechende Antragsformular bereits zu Verfügung. Alternativ kann der Schuldner dieses auch persönlich beim Gericht abholen oder telefonisch anfordern.

Das Formular ist vollständig auszufüllen und die Anlagen sind wie gefordert beizulegen (u. a. die Bescheinigung über das Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuchs). In dem Antragsformular kann der Schuldner außerdem angeben, ob er gleichzeitig einen Antrag auf Restschuldbefreiung stellt. Es wird dringend angeraten, dies zu tun.

Der Antrag wird dann daraufhin geprüft, ob die gesetzlichen Bestimmungen für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfüllt sind. Vor allem muss ein Insolvenzgrund, also eine Zahlungsunfähigkeit oder drohende Zahlungsunfähigkeit, vorliegen. Ist dies der Fall, erfolgt der nächste Schritt im Privatinsolvenz-Ablauf.

Schritt 3: Der zweite Einigungsversuch mit den Gläubigern

Auch in dieser Phase der Privatinsolvenz wird das Verfahren noch nicht eröffnet. Stattdessen findet ein erneuter Einigungsversuch mit den Gläubigern statt, diesmal jedoch nicht außergerichtlich, sondern gerichtlich. Wieder wird ein Schuldenbereinigungsplan vorgelegt, dem mindestens fünfzig Prozent der Gläubiger zustimmen müssen, um angenommen zu werden.

Ist dies der Fall, muss der Schuldner dem Plan folgen, bis die vereinbarten Forderungen erfüllt sind, und gilt dann als schuldenfrei. Scheitert hingegen auch der gerichtliche Einigungsversuch, kommt es zur nächsten Phase im Privatinsolvenz-Ablauf.

Schritt 4: Das Insolvenzverfahren

Zum Ablauf der Privatinsolvenz gehört auch die Regelung der Zahlung der Verfahrenskosten.
Zum Ablauf der Privatinsolvenz gehört auch die Regelung der Zahlung der Verfahrenskosten.

Die Einigung mit den Gläubigern ist gescheitert und das Insolvenzverfahren lässt sich nicht mehr vermeiden. Für dieses fallen Kosten an, die der Schuldner tragen muss:

  • Auslagen
  • Gerichtskosten
  • Kosten für den Treuhänder

Wird ein entsprechender Antrag gestellt, prüft das Gericht, auf welche Weise dem Schuldner die Zahlung dieser Kosten zugemutet werden kann (z. B. als Stundung). Ist dies geklärt, wird das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet (gleichzeitig beginnt die Wohlverhaltensphase). Das Insolvenzgericht ernennt einen Treuhänder, welcher das Vermögen des Schuldners verwaltet. Dies bedeutet vor allem, dass er sich um die Verteilung der Insolvenzmasse auf die Gläubiger kümmert, damit diese möglichst gleichmäßig befriedigt werden. Ist das gesamte Vermögen verteilt, schließt sich die vorletzte Phase im Privatinsolvenz-Ablauf an.

Schritt 5: Die Wohlverhaltensphase und ihre Auflagen

Das gesamte Vermögen des Schuldners, das verwertbar war, wurde auf die Gläubiger verteilt. In der Regel sind damit die Schulden jedoch noch nicht beglichen. Die Privatinsolvenz dauert also weiter an. Was nun kommt, ist für manche Schuldner der härteste Abschnitt: die sogenannte Wohlverhaltensphase. Oder besser gesagt, die restliche Wohlverhaltensphase, denn sie begann streng genommen bereits mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Während dieser tritt der Schuldner regelmäßig sein pfändbares Einkommen an den Treuhänder ab, welcher jenes einmal im Jahr an die Gläubiger auszahlt. Die Wohlverhaltensphase wird von einigen Schuldnern vor allem aus zwei Gründen als belastend empfunden: Zum einen handelt es sich hierbei üblicherweise um die längste Phase im gesamten Privatinsolvenz-Ablauf – sie kann bis zu sechs Jahre lang dauern – und zum anderen hat der Schuldner während dieser Zeit einige Obliegenheiten:

Wie läuft bei der Privatinsolvenz die Wohlverhaltensphase ab?
Wie läuft bei der Privatinsolvenz die Wohlverhaltensphase ab?
  • Er ist verpflichtet, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen oder sich ernsthaft um eine zu bemühen. Der Schuldner darf keine zumutbare Arbeitsstelle ablehnen.
  • Änderungen der wohnlichen oder beruflichen Situation, der Vermögenssituation und der Einkünfte sind dem Treuhänder und dem Insolvenzgericht umgehend mitzuteilen.
  • Das pfändbare Einkommen muss an den Treuhänder abgetreten werden.
  • Fällt dem Schuldner während der Wohlverhaltensphase ein Erbe zu, geht dieses zur Hälfte an den Treuhänder.

Bekommt einer der Gläubiger mit, dass der Schuldner seine Obliegenheiten verletzt, kann er beantragen, dass diesem die Restschuldbefreiung versagt wird.

Schritt 6: Mit der Restschuldbefreiung in die Schuldenfreiheit

Hat der Schuldner bei der Beantragung der Eröffnung der Privatinsolvenz auch einen Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt, entscheidet das Insolvenzgericht nach Ablauf der Wohlverhaltensphase darüber, ob es diese tatsächlich erteilt.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann dem Schuldner die Restschuldbefreiung versagt werden, z. B. wenn er die oben genannten Obliegenheiten während der Wohlverhaltensphase nicht erfüllt hat oder er aufgrund einer Insolvenzstraftat verurteilt wurde. Hat er sich aber nichts zuschulden kommen lassen, wird ihm die Restschuldbefreiung gewährt, welche den letzten Schritt im Privatinsolvenz-Ablauf darstellt.

Die Insolvenz gilt damit offiziell als abgeschlossen und der Schuldner ist wieder schuldenfrei.

Die Dauer der Privatinsolvenz

Wie lange läuft eine Privatinsolvenz?
Wie lange läuft eine Privatinsolvenz?

Wie viel Zeit vom außergerichtlichen Einigungsversuch bis zum Beginn der Wohlverhaltensphase vergeht, lässt sich nicht pauschal sagen. Dies hängt sehr von den individuellen Umständen ab, vor allem der Anzahl der Gläubiger und der verfügbaren Insolvenzmasse.

Die Dauer der Wohlverhaltensphase selbst allerdings ist festgelegt und beträgt im Normalfall sechs Jahre. Es besteht jedoch mitunter die Möglichkeit, diese zu verkürzen:

  • auf drei Jahre: wenn der Schuldner innerhalb dieser drei Jahre 35 Prozent seiner Schulden sowie die Verfahrenskosten ableisten kann
  • auf fünf Jahre: wenn der Schuldner innerhalb dieser fünf Jahre die Verfahrenskosten ableisten kann

Es lässt sich festhalten, dass bei der Privatinsolvenz ein fester Ablauf herrscht, welcher in Deutschland mindestens drei Jahre (häufig mehr) dauert.

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