Schulden erben: Können sie abgelehnt werden?

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Im Überblick: Schulden erben

  1. Verstirbt ein Mensch verschuldet, müssen seine Erben für diese Nachlassverbindlichkeiten haften.
  2. Hinterbliebene erhalten über ihr Erbe und mögliche Schulden keine amtliche Auskunft. Sie müssen daher selbst prüfen, ob Nachlassverbindlichkeiten bestehen.
  3. Bedeuten die Erbschulden für Sie den finanziellen Ruin, sollten Sie das komplette Erbe ausschlagen, um den Schulden des Verstorbenen zu entgehen.
Muss man Schulden erben, wenn die Eltern oder andere Erblasser verschuldet verstorben sind?
Muss man Schulden erben, wenn die Eltern oder andere Erblasser verschuldet verstorben sind?

Wie funktioniert das Erben von Schulden?

Wenn Sie an Erbschaften denken, verbinden Sie damit vielleicht einen kleinen (oder auch großen) Zuwachs des eigenen Vermögens oder die Übertragung von Eigentum verstorbener Angehöriger. Doch nicht jeder Mensch stirbt mit einem gut gedeckten Bankkonto und so kann es vorkommen, dass er seinen Liebsten statt eines Geldsegens nur Schulden vererben kann.

Diese sog. Erbschulden, die offiziell als „Nachlassverbindlichkeiten“ bezeichnet werden, können sich sowohl aus den Erblasser- als auch den Erbfallschulden zusammensetzen. Erstere sind die Schulden, die der Verstorbene, der Erblasser, zu Lebzeiten angehäuft hat. So ist es z. B. möglich, dessen Steuerschulden auf die Erben zu übertragen. Die Erbfallschulden wiederum ergeben sich aus den Schulden, die durch den Tod des Erblassers entstehen wie z. B. die Beerdigungskosten.

Für diese Schulden müssen die Erben gemäß § 1967 Abs. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) mit ihrem Privatvermögen haften. Dies kann dazu führen, dass Sie sich als Hinterbliebener möglicherweise selbst verschulden und Privatinsolvenz anmelden müssen.

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Schulden erben ohne Testament

Bestimmt ein Testament den Erben, muss dieser auch für die Erbschulden haften.
Bestimmt ein Testament den Erben, muss dieser auch für die Erbschulden haften.

Mit einem Testament oder einem Erbschaftsvertrag kann jeder Mensch vor seinem Tod festlegen, welche Personen später sein Vermögen erhalten sollen. Damit bestimmt er gleichzeitig auch, wer seine Schulden erben wird. Doch nicht jeder Erblasser verfasst vor seinem Tod ein Testament. Wer erbt in diesem Fall was?

Existiert kein Testament oder wird dieses als ungültig erklärt, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Ehepartner stehen dabei an erster Stelle und erhalten die Hälfte des hinterlassenen Vermögens.

Der Rest wird unter den Kindern des Verstorbenen aufgeteilt. Ist eines der Kinder selbst bereits verstorben, geht dessen Erbteil an seine eigenen Kinder – also die Enkel des Erblassers – über. Hatte der Verstorbene weder Nachkommen noch einen Ehepartner, stehen an nächster Stelle in der Erbfolge seine Eltern und Geschwister. Ist auch von diesen keiner mehr am Leben, geht das Erbe an Nichten und Neffen des Erblassers und so weiter.

Ohne Testament bestimmt somit der Grad der Verwandtschaft, wer das Vermögen erbt und welchen Anteil davon. Sind Sie Alleinerbe, bedeutet dies, dass Sie auch die Schulden allein erben.

Schulden erben als Erbengemeinschaft: Wer muss die Erbschulden zahlen?

Wie verhält es sich aber, wenn es mehr als einen Erben gibt? Wer erhält mit seiner Erbschaft die Schulden des Verstorbenen?

Angenommen, ein Familienvater verstirbt und hinterlässt seine Ehefrau und seine beiden Kinder. Da er kein Testament aufgesetzt hat, greift die gesetzliche Erbfolge: Die Frau bekommt 50 Prozent des Erbes und die beiden Kinder jeweils 25 Prozent. Die drei Personen bilden gemeinsam eine Erbengemeinschaft. Und dies bedeutet, dass alle drei die Schulden erben.

Somit ist grundsätzlich jeder von ihnen laut Erbrecht verpflichtet, die Schulden des Erblassers zu bezahlen – und zwar unabhängig davon, wie hoch der eigene Anteil am Erbe ist. Als Erbengemeinschaft haften nämlich die Mutter und ihre beiden Kinder als Gesamtschuldner gemeinsam. Es bleibt den Gläubigern überlassen, ob sie die Forderungen bei allen Mitgliedern der Erbengemeinschaft geltend machen oder nur bei einem von ihnen.

Wer erbt die Schulden in einer Erbengemeinschaft?
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Der betroffene Erbe ist in diesem Moment verpflichtet, die Schulden alleine zu begleichen. Allerdings kann er von seinen Miterben verlangen, dass sie sich beteiligen. Sollten diese sich weigern, ist es ratsam, einen Anwalt einzuschalten.

Übrigens: Nicht jede Person, die im Testament bedacht wurde, ist automatisch Teil der Erbengemeinschaft und muss somit die Schulden erben. Hat der Verstorbene Ihnen testamentarisch einen bestimmten Betrag oder einen Gegenstand hinterlassen, gilt dies üblicherweise nicht als Nachlass, sondern als Vermächtnis. Sofern nicht exakt dieser Gegenstand mit Schulden belastet ist (z. B. ein Auto, das noch nicht abbezahlt wurde), behelligen die Schulden den betroffenen Erben nicht.

Sollte nicht klar sein, auf welchen Vermögenswerten Schulden lasten und welcher Erbe diese somit begleichen muss, empfiehlt es sich, die Sachlage von einem Nachlassverwalter oder einem Anwalt prüfen zu lassen.

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Woher wissen Sie, dass Sie Schulden geerbt haben?

Tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, weil kein Testament vorliegt, erhalten die jeweiligen Erben üblicherweise keine amtliche Auskunft über ihre Erbschaft – und damit auch nicht darüber, dass sie im Begriff sind, Schulden zu erben.

Wollen Sie Erbschulden vermeiden, sollten Sie die Vermögenswerte des Verstorbenen prüfen, bevor Sie das Erbe annehmen.
Wollen Sie Erbschulden vermeiden, sollten Sie die Vermögenswerte des Verstorbenen prüfen, bevor Sie das Erbe annehmen.

Es ist daher ratsam zu prüfen, ob Nachlassverbindlichkeiten bestehen, bevor Sie das Erbe annehmen. Verschaffen Sie sich dazu einen Überblick über die finanzielle Situation des Erblassers, indem Sie seine Konten und Unterlagen prüfen und Erkundigungen bei Ämtern einholen. Dazu müssen Sie unter Umständen die Sterbeurkunde und das Stammbuch vorlegen.

Sollte sich der Nachlass als sehr groß und unübersichtlich erweisen, kann die Überprüfung der Vermögensverhältnisse kompliziert werden. Auch in diesem Fall besteht die Möglichkeit, Hilfe bei einem Anwalt einzuholen.

So können Sie Erbschulden ablehnen

Haben Sie bei Ihrer Prüfung festgestellt, dass Sie Schulden erben werden, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Sie nehmen das Erbe an und haften für die Nachlassverbindlichkeiten.
  • Oder Sie schlagen das komplette Erbe und damit auch die Erbschulden aus.

Niemand wird gezwungen, für die Nachlassverbindlichkeiten eines Verstorbenen zu haften. Jeder Erbe kann die Erbschulden ausschlagen. Allerdings ist dies nur möglich, wenn er damit komplett auf sein Erbe verzichtet getreu dem Motto: Entweder alles erben oder gar nichts.

Wichtig ist dabei, die Ausschlagsfrist einzuhalten. Diese beträgt sechs Wochen. Versäumen Sie es, das Erbe innerhalb dieses Zeitraums abzulehnen, gilt es als angenommen. Um das Erbe auszuschlagen und damit zu vermeiden, Schulden zu erben, müssen Sie zum Nachlassgericht an Ihrem Wohnort oder am letzten Wohnort des Verstorbenen gehen und die Ausschlagung erklären. Sie können auch einen Notar mit dieser Aufgabe betrauen.

Erbe ablehnen bei Schulden: Manchmal ist es besser, gar nichts zu erben als ein Erbe, das mit Verbindlichkeiten belastet ist.
Erbe ablehnen bei Schulden: Manchmal ist es besser, gar nichts zu erben als ein Erbe, das mit Verbindlichkeiten belastet ist.

Beachten Sie, dass eine Gebühr fällig wird, wenn Sie das Erbe ablehnen. Bei Überschuldung des Erblassers beträgt diese in der Regel 30 Euro.

Hinweis: Wurde die Erbschaft angenommen, weil der Hinterbliebene nicht wusste, dass er damit auch Schulden erben würde, hat er im Nachhinein die Möglichkeit, ein Nachlassinsolvenzverfahren zu beantragen. Dies kann ihn davor bewahren, aufgrund der Erbschulden selbst zahlungsunfähig zu werden.

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