Verbraucherinsolvenz: Das Insolvenzverfahren für Privatpersonen

Im Überblick: Die Verbraucherinsolvenz

  1. Das Verbraucherinsolvenzverfahren richtet sich an Privatpersonen.
  2. Das Insolvenzverfahren soll sowohl Schuldner als auch Gläubiger bestmöglich zufriedenstellen.
  3. Im Anschluss an das Verbraucherinsolvenzverfahren kann die Restschuldbefreiung durchgeführt werden. Ziel dessen ist die Schuldenfreiheit.
Die Verbraucherinsolvenz richtet sich vor allem an Privatpersonen.
Die Verbraucherinsolvenz richtet sich vor allem an Privatpersonen.

Was ist eine Verbraucherinsolvenz?

Das Verbraucherinsolvenzverfahren richtet sich an Privatpersonen, die ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen können. Das vereinfachte Insolvenzverfahren kann beantragt werden, wenn eine Zahlungsunfähigkeit oder auch eine Überschuldung vorliegt. Gegebenenfalls kann Betroffenen dabei eine Schuldner- und Insolvenzberatung helfen.

Die Verbraucherinsolvenz soll sowohl Gläubiger als auch Schuldner bestmöglich zufriedenstellen. Nach Ablauf der Insolvenz kann der Schuldner durch die Restschuldbefreiung von verbliebenen Schulden befreit werden, um zukünftig ein schuldenfreies Leben führen zu können.

Antrag auf Verbraucherinsolvenz: Hier kann Ihnen eine Insolvenzberatung helfen.
Antrag auf Verbraucherinsolvenz: Hier kann Ihnen eine Insolvenzberatung helfen.

Es sollte dabei jedoch nicht vergessen werden, dass auch die Verbraucherinsolvenz Kosten mit sich bringt, die der Schuldner übernehmen muss.

An wen richtet sich die Verbraucherinsolvenz?

Die Verbraucherinsolvenz sagt per Definition aus, dass nur natürliche Personen angesprochen werden. Es dürfen somit nur Verbraucher, beziehungsweise Privatpersonen ein Verbraucherinsolvenzverfahren einleiten.

Unternehmen, Firmen oder Betriebe hingegen müssen ein Unternehmens-, beziehungsweise Firmeninsolvenz- oder Regelinsolvenzverfahren durchlaufen. Auch für Freiberufler und Selbstständige gilt das Regelinsolvenzverfahren.

In § 304 der Insolvenzordnung (InsO) ist jedoch geregelt, dass es auch ehemals Selbstständigen möglich ist, ein Verbraucherinsolvenzverfahren zu beantragen, sofern ihre Vermögensverhältnisse überschaubar sind. Dafür müssen folgende Kriterien gegeben sein:

  1. weniger als 20 Gläubiger
  2. keine offenen Forderungen aus Arbeitsverhältnissen

Verbraucherinsolvenz: Ablauf des Verfahrens

Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist im Ablauf fest durch gesetzliche Bestimmungen geregelt. Es beginnt in der Regel mit dem Besuch einer Schuldner- und Insolvenzberatung, wo Betroffene Hilfe im Umgang mit ihren Schulden erfahren.

Der Ablauf der Verbraucherinsolvenz folgt einem rechtlich geregelten Muster.
Der Ablauf der Verbraucherinsolvenz folgt einem rechtlich geregelten Muster.

Eine Schuldnerberatung wird in erster Instanz versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern herbeizuführen. Dies ist außerdem Voraussetzung für den Antrag einer Verbraucherinsolvenz.

Scheitert dieser Einigungsversuch kann im Anschluss der Verbraucherinsolvenzantrag gestellt werden. Zusätzlich muss die Beratungsstelle eine Bescheinigung beifügen, die das Scheitern der außergerichtlichen Einigung bestätigt.

Im nächsten Schritt wird auch das Insolvenzgericht versuchen, eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Hierfür wird auf das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren zurückgegriffen.

Sollte auch dieser Schritt scheitern, beginnt das eigentliche Verfahren der Verbraucherinsolvenz. Hierbei wird der vom Gericht gestellte Insolvenzverwalter die Insolvenzmasse feststellen und eventuell pfändbares Vermögen zum Insolvenzverkauf beziehungsweise zur Insolvenzversteigerung freigeben. Der Erlös wird zu gleichen Teilen an die Gläubiger verteilt.

Im Anschluss beginnt die Wohlverhaltensphase, die in der Regel sechs Jahre dauert. Während dieser Zeit muss der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an einen Treuhänder abgeben. Die daraus resultierenden Beträge werden entsprechend gleichmäßig an alle Gläubiger verteilt.

Während der Wohlverhaltensphase gilt es für den Schuldner einige Regeln zu beachten, um seine Restschuldbefreiung sowie das laufende Insolvenzverfahren nicht zu gefährden. Er ist unter anderem in der Pflicht einer angemessenen Erwerbstätigkeit nachzugehen oder sich entsprechend darum zu bemühen.

In letzter Instanz der Verbraucherinsolvenz erfolgt die Restschuldbefreiung des Schuldners. Diese kann jedoch untersagt werden, sofern die insolvente Person ihren Verpflichtungen während des Verfahrens nicht nachgekommen ist.

Die gesamte Verbraucherinsolvenz hat eine Dauer von gewöhnlich sechs Jahren und schließt mit der Restschuldbefreiung. Der Ablauf des Verbraucherinsolvenzverfahrens folgt einem festen Muster, das durch die Insolvenzordnung geregelt ist.

Dauer der Verbraucherinsolvenz

In der Regel hat das Verbraucherinsolvenzverfahren eine Dauer von sechs Jahren. Es beginnt mit dem Tag, an dem das Verfahren offiziell eröffnet wurde. Während des Verfahrens sollen so viele Schulden wie möglich abgebaut werden.

In der Regel hat das Verbraucherinsolvenzverfahren eine Dauer von sechs Jahren.
In der Regel hat das Verbraucherinsolvenzverfahren eine Dauer von sechs Jahren.

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, die Verbraucherinsolvenz zu verkürzen, wenn folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Dem Schuldner ist es möglich, die Verfahrenskosten selbst zu tragen. In diesem Fall ist eine Verkürzung auf fünf Jahre möglich.
  • Dem Schuldner gelingt es innerhalb von drei Jahren die Verfahrenskosten zu begleichen sowie 35 Prozent seiner Schulden. Im Anschluss kann die Restschuldbefreiung erfolgen.

Welche Kosten bringt die Verbraucherinsolvenz mit sich?

Das Verbraucherinsolvenzverfahren bringt vor allem Gerichts- und Anwaltskosten mit sich, die von der insolventen Person beglichen werden müssen. Weiterhin muss der Insolvenzverwalter, beziehungsweise der Treuhänder bezahlt werden.

Die Zahlung der Kosten erfolgt über die Insolvenzmasse des Schuldners. Sollten die darin enthaltenen Werte nicht ausreichen, um die Kosten zu decken, kann eine Stundung der Kosten beantragt werden. Hierdurch kann die Zahlung entsprechend aufgeschoben werden.

Unterschied zwischen Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz

Der Unterschied zwischen der Regel- und Verbraucherinsolvenz besteht vor allem darin, dass das Verbraucherinsolvenzverfahren sich nur an Privatpersonen – Verbraucher – richtet. Eine Regelinsolvenz richtet sich vornehmlich an Freiberufler und Selbstständige. Es gibt jedoch noch weitere Unterschiede:

  • Eine Verbraucherinsolvenz wird nur eröffnet, wenn eine Einigung mit den Gläubigern gescheitert ist.
  • Bei einer Regelinsolvenz entstehen höhere Kosten.
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