Insolvenzgeld für Arbeitnehmer: Höhe, Dauer, Beantragung

Von schuldnerberatung.org, letzte Aktualisierung am: 20. November 2020

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Im Überblick: Insolvenzgeld

  1. Insolvenzgeld wird gezahlt, wenn Arbeitnehmer aufgrund der Insolvenz ihres Arbeitgebers kein Gehalt bzw. keinen Lohn erhalten.
  2. Die Höhe des Insolvenzgelds beläuft sich auf die Höhe des Arbeitsentgelts, das dem Arbeitnehmer für die drei Monate vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens aussteht. Insolvenzgeld ist steuerfrei.
  3. Insolvenzgeld beantragen können die Arbeitnehmer des insolventen Unternehmens sowie Personen, die einen Anspruch auf deren Arbeitsentgelt haben, wie z. B. Gläubiger. Der Antrag muss spätestens zwei Monate nach Eintreten des Insolvenzereignisses bei der Agentur für Arbeit eingereicht werden.

Was ist Insolvenzgeld?

Wer zahlt Insolvenzgeld und wie hoch ist es?
Wer zahlt Insolvenzgeld und wie hoch ist es?


Muss ein Unternehmen Insolvenz anmelden, ist häufig nicht nur dessen eigene Existenz gefährdet. Auch die Angestellten können als Folge davon in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn ihr Arbeitgeber nicht mehr imstande ist, ihren Lohn bzw. ihr Gehalt zu zahlen. Um Sie als Arbeitnehmer vor solchen Einbußen zu schützen, besteht die Möglichkeit, das sogenannte Insolvenzgeld beim Arbeitsamt (Bundesagentur für Arbeit) zu beantragen. Es wird einmalig ausgezahlt und zählt als Lohnersatzleistung.

Das Insolvenzgeld wird durch die Umlage U3, auch bekannt als „Insolvenzgeldumlage“, finanziert. Diese muss von fast allen Arbeitgebern in Deutschland monatlich in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes vom rentenversicherungspflichtigen Bruttoarbeitsentgelt gezahlt werden. Sie wird zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen von den Krankenkassen eingezogen.

Wie hoch ist das Insolvenzgeld? Für welche Dauer wird es gezahlt?

Arbeitnehmern steht für einen Zeitraum von maximal drei Monaten Insolvenzgeld zu. Dessen Höhe entspricht dem Arbeitsentgelt, das Ihnen für jene drei Monate aussteht:

  • Wurde das Arbeitsverhältnis vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens beendet, umfasst der Insolvenzgeldzeitraum die letzten drei Monate des Arbeitsverhältnisses.
  • Bestand das Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch, wird das Insolvenzgeld für die drei Monate gezahlt, die direkt vor dem Insolvenztag lagen.

In der Regel beläuft sich der Betrag auf die Höhe des Nettoarbeitsentgelts, dass Sie normalerweise in diesen drei Monaten verdient hätten, wäre Ihr Arbeitgeber nicht insolvent gegangen. Dies kann z. B. auch Provisionen, Überstundenvergütung, Reisekosten oder Weihnachtsgeld beinhalten. Das gesamte Insolvenzgeld wird auf einmal ausgezahlt.

Insolvenzgeld in der Steuererklärung: Wo eintragen?

Für den Bezug von Insolvenzgeld fällt keine Steuer an, aber er bildet die Grundlage für die Berechnung Ihres Steuersatzes, der für Ihr steuerpflichtiges Einkommen herangezogen wird. Sie müssen darum in Ihrer Einkommenssteuererklärung angeben, dass Sie Insolvenzgeld bezogen haben. Dies geschieht in Zeile 28 auf Seite 1 der Anlage N.

Obergrenze beim Insolvenzgeld für 2019

Seit 2004 gibt es eine Obergrenze für das Insolvenzgeld, welche der Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung entspricht. Sie unterscheidet sich zwischen den alten und den neuen Bundesländern und wird jährlich neu berechnet.

alte Bundesländerneue Bundesländer
6.700 Euro pro Monat6.150 Euro pro Monat

Wann können Arbeitnehmer Insolvenzgeld beantragen?

Arbeitnehmer können Insolvenzgeld beantragen, wenn sie offene Gehaltsforderungen gegenüber ihrem insolventen Arbeitgeber haben.
Arbeitnehmer können Insolvenzgeld beantragen, wenn sie offene Gehaltsforderungen gegenüber ihrem insolventen Arbeitgeber haben.

Einen Antrag auf Insolvenzgeld können sowohl die Arbeitnehmer eines insolventen Arbeitgebers stellen als auch Personen, die einen Anspruch auf deren Gehalt bzw. Lohn haben. Dies können z. B. Gläubiger oder Unterhaltsberechtigte des Arbeitnehmers sein.

Es gelten zwei generelle Voraussetzungen:

  1. Der Arbeitnehmer muss im Inland beschäftigt gewesen sein.
  2. Er muss gegenüber seinem Arbeitgeber für den Insolvenzgeldzeitraum offene Entgeltansprüche haben.

Übrigens: Der Anspruch auf Insolvenzgeld besteht auch dann, wenn die Beschäftigung nicht der Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung unterliegt. Damit können z. B. auch Minijobber und Praktikanten Insolvenzgeld erhalten.

Ob Insolvenzgeld auch dem Geschäftsführer einer insolventen Gesellschaft zusteht, hängt davon ab, ob er als Arbeitnehmer zählt. Gemäß eines Urteils des Bundessozialgerichts ist dies der Fall, wenn er weder über eine Mehrheit der Gesellschaftsanteile verfügt noch über eine Sperrminorität (BSG, 04.07.2007 – B 11a AL 5/06 R).

Der Anspruch auf Insolvenzgeld entsteht, sobald

  • das Insolvenzverfahren des Arbeitgebers eröffnet,
  • der Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen oder
  • die Betriebstätigkeit vollständig beendet wurde und ein Insolvenzverfahren mangels Masse nicht in Betracht kommt.

Der Insolvenzgeldantrag muss innerhalb von zwei Monaten, nachdem eines der drei oben genannten Insolvenzereignisse eingetreten ist, eingereicht werden.

Wurde das Arbeitsverhältnis beendet, ist dem Insolvenzantrag eine Kopie der Kündigung beizulegen.
Wurde das Arbeitsverhältnis beendet, ist dem Insolvenzantrag eine Kopie der Kündigung beizulegen.

So wird das Insolvenzgeld beantragt

Den Antrag auf Insolvenzgeld müssen Sie bei der Agentur für Arbeit, die für Ihren Wohnort zuständig ist, einreichen. Das Formular dafür finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit. Sie können es sowohl elektronisch versenden als auch ausdrucken und in Papierform verschicken. Benötigen Sie Hilfe beim Ausfüllen des Dokuments, sollten Sie sich an den Insolvenzverwalter wenden.

Folgende Unterlagen sind dem Antrag beizulegen:

  • Insolvenzgeldbescheinigung (erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber oder dem Insolvenzverwalter)
  • Aktenzeichen des Insolvenzverfahrens
  • Kopie Ihres Arbeitsvertrages und ggf. auch Ihres Kündigungsschreibens
  • Verdienstabrechnungen für den Insolvenzgeldzeitraum

Für die Insolvenzgeldbescheinigung stellt die Bundesagentur ebenfalls einen Vordruck auf ihrer Webseite zur Verfügung.

Insolvenzgeld als Vorschuss

Da Sie als Arbeitnehmer meist bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens warten müssen, ehe Sie Insolvenzgeld beantragen können, bedeutet das oft, dass Sie monatelang ohne Einkommen ausharren müssen. Doch unter bestimmten Voraussetzungen können Sie einen Vorschuss auf das Insolvenzgeld in Anspruch nehmen und damit früher Ihr Geld erhalten.

Dazu müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Das Arbeitsverhältnis wurde beendet.
  2. Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde bereits gestellt.
  3. Es ist hinreichend wahrscheinlich, dass ein Insolvenzereignis, das den Anspruch auf Insolvenzgeld begründet, eintritt.

Wird Ihnen der Vorschuss gewährt und es stellt sich im Nachhinein heraus, dass Sie doch keinen Anspruch auf Insolvenzgeld haben, müssen Sie den erhaltenen Betrag zurückzahlen.

Insolvenzgeldvorfinanzierung

Was bedeutet Insolvenzgeldvorfinanzierung?
Was bedeutet Insolvenzgeldvorfinanzierung?

Besteht die Aussicht, dass das Unternehmen trotz der Insolvenz fortgeführt werden kann, hat der Insolvenzverwalter üblicherweise ein großes Interesse daran, den normalen Betrieb aufrechtzuerhalten. Das bedeutet in der Regel auch, Kündigungen der Angestellten vorzubeugen.

Wer jedoch sein ihm zustehendes Gehalt bzw. seinen Lohn nicht erhält und noch Monate lang auf die Bewilligung des Insolvenzgelds warten muss, hat verständlicherweise keine große Lust, noch länger für seinen Arbeitgeber zu arbeiten. Darum ist der Insolvenzverwaltet darauf bedacht, jegliche Zahlungsausfälle für die Arbeitnehmer zu vermeiden, und versucht häufig eine Insolvenzgeldvorfinanzierung.

Hierbei wird der Anspruch auf Insolvenzgeld an einen Dritten, meist eine Bank, verkauft. Der Arbeitnehmer bekommt sofort den Kaufpreis ausgezahlt und hat dadurch keine finanziellen Einbußen. Im Gegenzug erhält die Bank das Recht, das Insolvenzgeld bei der Bundesagentur für Arbeit einzufordern und für sich einzubehalten.

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