Sachpfändung: Welche Gegenstände dürfen gepfändet werden?

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Im Überblick: Sachpfändung

  1. Bei der Sachpfändung kann ein Gerichtsvollzieher bewegliche Gegenstände aus dem Eigentum des Schuldners beschlagnahmen und versteigern, um mit dem Erlös die Forderungen der Gläubiger zu befriedigen. Wie bei jeder Pfändung ist auch hier ein Vollstreckungstitel notwendig.
  2. Nicht pfändbare Dinge sind vor allem Haushaltsgegenstände oder Sachen des persönlichen Gebrauchs, z. B. Kleidung. Gemäß § 811 ZPO sind aber noch weitere Gegenstände von der Sachpfändung ausgeschlossen.
  3. In aller Regel sind Haustiere nicht pfändbar, sofern sie nicht zu Erwerbszwecken gehalten werden oder einen besonders hohen Wert besitzen.
Wann wird eine Sachpfändung durchgeführt?
Wann wird eine Sachpfändung durchgeführt?

Die Pfändung körperlicher Sachen

Kann ein Schuldner seinen Gläubiger nicht befriedigen – oder weigert er sich –, besteht für Letzteren meist die Möglichkeit, seine Forderungen gerichtlich durchzusetzen im Rahmen einer Zwangsvollstreckung. Üblicherweise werden hierbei Geld, Wertgegenstände und Wertpapiere gepfändet, etwa mittels einer Konto- oder Gehaltspfändung.

Ist diesbezüglich nichts zu holen, kann auch die Pfändung und Veräußerung von Gegenständen des Schuldners möglich sein, um den Gläubiger zu befriedigen. Dieses Vorgehen ist als Sachpfändung oder Mobiliarvollstreckung bekannt – die offizielle Bezeichnung lautet „Zwangsvollstreckung in körperliche Sachen“. Gemeint ist damit, dass es sich um die Pfändung beweglicher Sachen handelt, in Abgrenzung zur Pfändung von unbeweglichen Vermögenswerten, wovon vor allem Grundstücke und Immobilien betroffen sind.

Aber wie genau läuft eigentlich die Sachpfändung ab und welche Gegenstände sind überhaupt pfändbar? Gibt es grundsätzlich nicht pfändbare Sachen? Können Haustiere gepfändet werden? Diese und weitere Fragen klären wir im Folgenden.

Sachpfändung: Voraussetzungen und Ablauf

Wie läuft die Pfändung körperlicher Sachen ab?
Wie läuft die Pfändung körperlicher Sachen ab?

Damit der Gläubiger eine Sachpfändung durchführen kann, benötigt er einen Vollstreckungstitel, z. B. einen Vollstreckungsbescheid. Ein solcher Titel ist Voraussetzung für jede Art von Pfändung. Speziell für die Sachpfändung muss beim Gericht ein Sachpfändungsantrag gestellt werden, es sei denn, es handelt sich um eine Forderung aus öffentlichem Recht, wie z. B. Schulden beim Finanzamt. In diesem Fall muss der Vollziehungsbeamte keinen Antrag bei Gericht stellen, um die Sachpfändung durchführen zu können.

Als nächstes überprüft der Gerichtsvollzieher die Forderung des Gläubigers und weiß damit, welchen Wert er beim Schuldner pfänden muss, um den Gläubiger zu befriedigen.

Dann sucht der Gerichtsvollzieher den Schuldner auf und stellt ihm den Antrag auf Sachpfändung zu. Häufig muss Letzterer dabei auch gleich eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass er kein Geld hat, um die Forderungen des Gläubigers zu erfüllen.

Bei diesem Besuch prüft der Gerichtsvollzieher bereits, ob sich pfändbare Gegenstände in der Wohnung bzw. im Besitz des Schuldners befinden und nimmt diese sofort mit. Sperrige Pfändungsgegenstände wie z. B. antike Möbel werden mit dem sogenannten „Kuckuck“, einem Pfändungssiegel, versehen. Sie dürfen dann zwar bis zur Abholung noch vom Schuldner benutzt, aber nicht mehr verschenkt oder verkauft werden.

Bereits während der Gerichtsvollzieher pfändbare Gegenstände auswählt, muss er deren Verkaufswert schätzen. Mitunter kann auch ein Sachverständiger damit beauftragt werden. Ist die Schätzung vor Ort nicht möglich, muss diese unverzüglich nachgeholt werden. Dies bestimmt § 813 der Zivilprozessordnung (ZPO).

Abschließend werden die bei der Sachpfändung in Gewahrsam genommenen Dinge versteigert und der Erlös an den Gläubiger gezahlt.

Was passiert, wenn der Schuldner nicht zu Hause ist?

Ist der Schuldner nicht anzutreffen, wenn der Gerichtsvollzieher vorbeischaut, erhält er von Letzterem eine Benachrichtigung über die Sachpfändung. Ihm wird darin eine Frist gesetzt, innerhalb der er sich beim Gerichtsvollzieher zu melden hat, andernfalls droht eine Erzwingungshaft.
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Sachpfändung – was darf nicht gepfändet werden?

Was sind pfändungsfreie Gegenstände?
Was sind pfändungsfreie Gegenstände?

Nicht alles, was sich potentiell zu Geld machen lässt, darf auch bei der Sachpfändung in Gewahrsam genommen werden. § 811 Abs. 1 ZPO zählt allerhand nicht pfändbare Gegenstände auf, die in der Regel nicht beschlagnahmt werden dürfen.


Dies betrifft u. a.:

  • Sachen, die dem persönlichen Gebrauch oder dem Haushalt dienen: vor allem Wäsche, Kleidung, Betten sowie Haus- und Küchengeräte, allerdings nur im Rahmen einer bescheidenen Lebensführung, die der Berufstätigkeit und der Verschuldung des Schuldners angemessen ist.
  • Nahrungs-, Feuerungs- und Beleuchtungsmittel für vier Wochen
  • Kleintiere in beschränkter Zahl, wie z. B. Hühner
  • Nutztiere, die zur Ernährung des Schuldners oder für sein Gewerbe erforderlich sind: Unpfändbar ist hier allerdings lediglich eine einzige Milchkuh oder nach Wahl des Schuldners insgesamt zwei Schweine, Ziegen oder Schafe.
  • Haustiere (mit Einschränkungen, s. u.)
  • Futter und Streu für diese Tier für vier Wochen
  • Dinge, die für die Fortsetzung der Erwerbstätigkeit oder der Ausbildung erforderlich sind: Unter diesem Gesichtspunkt ist beispielsweise auch ein Computer nicht pfändbar. Aber auch (beruflich genutzte) Werkzeuge, Dienstkleidungsstücke und Schulbücher fallen u. a. darunter.
  • Gegenstände, die für den Schuldner einen hohen ideellen Wert besitzen, wie z. B. Eheringe oder Orden
  • medizinische Hilfsmittel wie z. B. Brillen oder Prothesen, wenn diese vom Schuldner oder seiner Familie benötigt werden
  • Dinge, die der Informationsbeschaffung dienen, sofern sie keinen besonderen Wert haben: Das bedeutet, dass der Gerichtsvollzieher auch den Fernseher nicht pfänden darf, wenn dieser nicht übermäßig wertvoll ist.
Bedingt pfändbare Gegenstände: Manche Sachen sind nur dann pfändbar, wenn sie weder aus gesundheitlichen noch aus beruflichen Gründen benötigt werden. Ist dies der Fall, kann die Sachpfändung beispielsweise den Pkw, den Computer, Bücher und sogar Lebensmittel betreffen. Auch ein Fahrrad ist pfändbar.

Austausch- und Vorwegpfändung: So können unpfändbare Dinge doch beschlagnahmt werden

In der Regel sind Haustiere nicht von der Sachpfändung betroffen, aber es gibt Ausnahmefälle.
In der Regel sind Haustiere nicht von der Sachpfändung betroffen, aber es gibt Ausnahmefälle.

Unter bestimmten Voraussetzungen können selbst Gegenstände, die gemäß § 810 ZPO als unpfändbar gelten, von der Sachpfändung betroffen sein.

Dies kann der Fall sein, wenn besagter Gegenstand einen ungewöhnlich hohen Wert hat, der den für eine angemessene Lebensführung übersteigt. Dann kann eine Austauschpfändung durchgeführt werden. Dabei wird der teure Gegenstand gepfändet und dem Schuldner wird im Austausch ein funktionstüchtiges Ersatzgerät, das einen geringeren Wert hat, zur Verfügung gestellt.

Ist wiederum eine Sache eigentlich unpfändbar, es ist aber abzusehen, dass sie dies in naher Zukunft nicht mehr sein wird, ist eine Vorwegpfändung möglich. In diesem Fall verbleibt der Gegenstand bei dem Schuldner, bis die Unpfändbarkeit aufgehoben ist. Dies betrifft z. B. Dinge, die für den Beruf benötigt werden, aber es steht fest, dass der Schuldner diesen bald nicht mehr ausüben wird, etwa weil er in Rente geht.

Pfändung von Haustieren

Wird bei einem Tierbesitzer eine Sachpfändung durchgeführt, steht oft die Frage im Raum, ob der Gerichtsvollzieher auch dessen geliebten Vierbeiner beschlagnahmen darf. In den meisten Fällen können Herrchen und Frauchen hier aufatmen, denn die Pfändung von Haustieren ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Dies ist z. B. der Fall, wenn die Tiere zu Erwerbszwecken gehalten werden, etwa als Zuchttier. Selbst wenn es sich hierbei nur um einen Nebenerwerb handelt, greift der Pfändungsschutz nicht mehr.

Wird das Tier hingegen vorwiegend zum Vergnügen oder einen anderen unentgeltlichen Zweck gehalten, ist es üblicherweise nicht pfändbar. Eine Ausnahme kann hier gemacht werden, wenn es ausgesprochen wertvoll ist, weil es sich z. B. um einen teuren Rassehund handelt. Aber selbst dann kann dieses nur gepfändet werden, wenn zwei weitere Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Unpfändbarkeit des Tieres ist dem Gläubiger nicht zumutbar: Die Forderung des Gläubigers kann nur dadurch befriedigt werden, dass das wertvolle Haustier gepfändet wird. Andernfalls ist seine eigene wirtschaftliche Existenz gefährdet.
  • Die Pfändung ist mit den Belangen des Tierschutzes vereinbar.

Bei Letzterem wird betrachtet, ob dem Tier die Pfändung und der damit einhergehende Wechsel des Besitzers und des Zuhauses zugemutet werden kann. Dabei spielen u. a. die Bindung zum Schuldner, die Haltungsbedingungen, das Alter und der Gesundheitszustand des Tieres eine Rolle.

Wann ist die Sachpfändung von Tieren möglich?
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